Nach dem Paris und Frankreich mich so in seinen Bann gezogen haben, kam es wie es kommen musste: ich ging auch zum studieren nach Frankreich. Ich wählte einen deutsch-französisches Studium der Betriebswirtschaftslehre, bei dem ich den zweiten Teil in der hübschen Stadt Metz verbracht. Dort wohnte ich, zusammen mit anderen französischen Studenten, mitten in der Einkaufsstraße von Metz. Die vielen tollen Momente und unvergesslichen Stunden hier alle aufzuführen, würde wohl den Rahmen dieses Artikels sprengen. Doch nicht unerwähnt lassen möchte ich zwei Erlebnisse der besonderen Art an unserer Universität:
Das eine war mit unserem Studienleiter und Mathematikprofessor. Als wir in einer Stunde über Deutsch-französische Kultur Unterschiede sprachen, fragte er aus dem Nichts heraus einen meiner deutschen Kommilitonen, ob er überhaupt wisse, wie man eine Flasche Wein richtig öffne. Sichtlich unzufrieden mit dessen Antwort sagte er prompt: "In der nächsten Stunde bringt jeder eine gute Flasche Wein mit. Es wird Zeit, dass auch unsere deutschen Freunde in dieses wichtige Kulturgut eingeführt werden!". Und tatsächlich: was ich in der nächsten Stunde alles über das Öffnen einer Flasche Wein, den richtigen Gebrauch von Nase und Augen bei der Weinverkostung oder die Bedeutung guter Jahrgänge erfahren habe, habe ich bis heute nicht vergessen!
Die zweite Erfahrung war eine wichtige Lehrstunde über das französische Autoritätsdenken und Schulsystem: wir hatten eine Arbeit in Buchführung geschrieben und die korrigierten Tests zurückerhalten. Ich hatte null Fehler und die Note 17 (von 20 möglichen Punkten). Daraufhin fragte ich Den Professor vor versammelter Klasse, warum ich keine 20 Punkte bekommen hätte, schließlich hätte ich alles richtig beantwortet. Als ich die Blicke meiner französischen Kommilitonen sah und ein Raunen durch die Klasse ging, ahnte ich, dass ich diese an Majestätsbeleidigung grenzende Frage nicht hätte stellen dürfen. Langsam kann der Professor auf mich zu, bäumte sich von mir auf und startete seine Tirade: "mon cher étudiant, jetzt werde ich Ihnen mal etwas über das französische Notensystem erzählen. Eine 17 ist das Maximum, was für jemanden wie sie drin ist. Eine 18 steht nur jemandem wie Amelie zu (die Streberin unseres Kurses). Eine 19 wäre angemessen für mich und eine 20, c'est pour dieux! Haben wir uns verstanden?" Oh ja, das haben wir!