Als ich in die Schule kam stand Französisch für mich erst mal überhaupt nicht auf dem Stundenplan. in einem humanistischen Gymnasium habe ich mit Latein begonnen und als zweite Fremdsprache folgte Englisch. Und als man dann Anfang der neunten Klasse so ziemlich alles im Kopf hatte außer Schule, kam dann französisch als dritte Fremdsprache dran. Ich weiß heute nicht mehr warum, doch irgendwie mochte ich die Sprache. Das hatte auch mein Vater mitbekommen und als er eines Abends aus dem Büro nach Hause kam schlug er mir ganz begeistert vor, doch die nächsten Sommerferien in einer Sprachschule in Frankreich zu verbringen. Er habe da so einen Tipp von einem Kollegen bekommen und das müsse ganz toll sein…
Kurzvorstellung Thomas
... und wie alles begann
Bonjour, mein Name ist Thomas Kötting, Gründer und Liebhaber von France Naturelle :)
Voilà eine kleine Geschichte, warum ich mich damals in Frankreich verliebt habe und wie daraus dann später unser kleines Reiseunternehmen entstand...
Eigentlich ist mein Vater schuld…
Kaninschen
Gesagt getan und ehe ich mich versah, saß ich Anfang des nächsten Sommers auch schon im Zug Richtung Loiretal. Und da war ich plötzlich, mittendrin im französischen Leben: ich wohnte bei einer französischen Familie und lernte tagsüber Französisch an der Universität von Angers, die im Sommer für Sprachschüler aus aller Welt ihre Tore öffnet. Es war eine fantastische Zeit! Die Sprachschule war wirklich toll und es war ein verbindendes Gefühl, zusammen mit Schülern aus der ganzen Welt zu lernen und seine Freizeit zu verbringen.
Die Welt im französischen Familienalltag war anfangs jedoch aufgrund meiner rudimentären Französischkenntnisse sehr anstrengend für mich. Während man sich bei der Sprachschule auch immer mal wieder mit Englisch durchschummeln konnte, sprachen hier alle fünf Familienmitglieder nur französisch. Aber sie waren Herzensgut und sehr bemüht um mich. Schon mittags bekam ich Wein zum Essen eingeschenkt und Monsieur brachte mir alle Details zur Historie der Tour de France bei. Madame wollte sogar extra für mich zum ersten Mal in ihrem Leben ein paar Fremdworte lernen. Doch als wir beim ersten Mittagessen zusammen saßen und sie mich fragte, was denn unser Hauptgang ("lapin") auf Deutsch heiße, war der Deutschunterricht schnell wieder zu Ende. Das für Sie unaussprechliche Wort "Kanninnschen" hat ihr ein für alle Mal die Lust am Deutschen genommen :)
Bei Socken-Bernhard in Paris
Die nächste große Station meiner Frankreich Reise war die wohl schönste Stadt der Welt, Paris! Nach der Schule und vor Beginn meines Studiums wollte ich diese sagenumworbene Metropole endlich kennenlernen. Ich hatte Glück und bekam einen zweimonatigen Praktikumsplatz in einem französischen Unternehmen, mitten im Herzen von Paris, ganz in der Nähe des Arc de Triomphe.
Ich weiß es noch wie heute: ich arbeitete für Bernhard, einen für unsere Verhältnisse ziemlich chaotischen französischen Manager, der nur auf Socken durchs Büro lief und von Tag zu Tag seine Pläne und damit auch meine Aufgabengebiete änderte. Während ich am ersten Tag noch einen riesigen Stapel mit französischen bis in des Zeitungen auf den Tisch zum durcharbeiten und analysieren bekam, kam Bernhard am zweiten Tag in meinem Büro, warf sie kurzerhand in die Papiertonne und sagte, dass er jetzt was anderes für mich hätte. Diese "kreative" Arbeitsweise empfand ich anfangs als sehr irritierend, nahm es dann jedoch mit französischer Gelassenheit und war am Ende sogar fasziniert, wie offen er für neue Gedanken und flexibel in deren Umsetzung war. Das war ich von Deutschland nicht gewohnt!
Im Dienstmädchenzimmer
Doch das Highlight meiner Praktikumszeit war mitnichten meine Arbeit bei Bernhard, sondern Paris als Stadt! Nie zuvor habe ich mich irgendwo so lebendig, inspiriert und verzaubert gefühlt wie hier. Das lag nicht zuletzt an meiner Unterkunft. Ein Kollege von Bernhard hat mir ein Zimmer im Haus seiner gut betuchten Eltern besorgt. Diese wohnten im 5. Stock eines prächtigen Feudalbaus aus dem 19. Jahrhundert, mitten im reichen 17. Arrondissement. Und wie bei vielen dieser Pariser Bauten damals üblich, gehörte auch zu jeder Wohnung ganz oben unter dem Dach noch ein kleines "chambre de bonne", in dem das Dienstmädchen der jeweiligen Familie wohnte. Et voilà, dort durfte ich wohnen! Das 8 m² große Zimmer besaß ein Bett, einen Schrank, ein Waschbecken und eine kleine Kochplatte. Das Stehklo am Ende des Ganges teilte man sich mit den Bewohnern der übrigen Dienstmädchenzimmer. Eine Dusche gab es hingegen nicht, doch ich durfte zweimal die Woche die Dusche meiner Vermieterfamilie benutzen :)
Die übrigen Bewohner meines Ganges waren Kellner, Hotelangestellte, Auszubildende oder Studenten, die sich über ein günstiges Zimmer von "nur" 600 DM im Monat freuten (was für 1995 sehr viel war). Rechts neben mir wohnte Renault, ein junger Kochlehrling eines Pariser Bistros. Er zeigte mir den für mich bis heute schönsten Platz von ganz Paris. Über die Feuerleiter am Ende des Gangs kletterten wir hinauf, durch die Dachluke hindurch und befanden uns plötzlich in einer anderen, komplett unbekannten und versteckten Welt. Hier auf dem Dach des sechsstöckigen Gebäudes gehörte ganz Paris uns! Von hier aus konnten wir über die Dächer der anderen Häuser laufen und hatten die herrlichsten Ausblicke auf die schönsten Plätze der Stadt. Montmartre, Arc de Triomphe, eiffelturm, Champs-Élysées - alles war zum greifen nah. Und besonders nachts, wenn wir mit einer Flasche Wein hier oben lagen, die festlich beleuchtete Stadt unter uns, so hätte ich mir keinen anderen Platz vorstellen können, an dem ich lieber gewesen wäre. Und wer weiß, vielleicht ist genau dort der Berufswunsch entstanden, solch magische Plätze fernab der Massen zu entdecken...
Uni-Weinprobe und Majestätsbeleidigung
Nach dem Paris und Frankreich mich so in seinen Bann gezogen haben, kam es wie es kommen musste: ich ging auch zum studieren nach Frankreich. Ich wählte einen deutsch-französisches Studium der Betriebswirtschaftslehre, bei dem ich den zweiten Teil in der hübschen Stadt Metz verbracht. Dort wohnte ich, zusammen mit anderen französischen Studenten, mitten in der Einkaufsstraße von Metz. Die vielen tollen Momente und unvergesslichen Stunden hier alle aufzuführen, würde wohl den Rahmen dieses Artikels sprengen. Doch nicht unerwähnt lassen möchte ich zwei Erlebnisse der besonderen Art an unserer Universität:
Das eine war mit unserem Studienleiter und Mathematikprofessor. Als wir in einer Stunde über Deutsch-französische Kultur Unterschiede sprachen, fragte er aus dem Nichts heraus einen meiner deutschen Kommilitonen, ob er überhaupt wisse, wie man eine Flasche Wein richtig öffne. Sichtlich unzufrieden mit dessen Antwort sagte er prompt: "In der nächsten Stunde bringt jeder eine gute Flasche Wein mit. Es wird Zeit, dass auch unsere deutschen Freunde in dieses wichtige Kulturgut eingeführt werden!". Und tatsächlich: was ich in der nächsten Stunde alles über das Öffnen einer Flasche Wein, den richtigen Gebrauch von Nase und Augen bei der Weinverkostung oder die Bedeutung guter Jahrgänge erfahren habe, habe ich bis heute nicht vergessen!
Die zweite Erfahrung war eine wichtige Lehrstunde über das französische Autoritätsdenken und Schulsystem: wir hatten eine Arbeit in Buchführung geschrieben und die korrigierten Tests zurückerhalten. Ich hatte null Fehler und die Note 17 (von 20 möglichen Punkten). Daraufhin fragte ich Den Professor vor versammelter Klasse, warum ich keine 20 Punkte bekommen hätte, schließlich hätte ich alles richtig beantwortet. Als ich die Blicke meiner französischen Kommilitonen sah und ein Raunen durch die Klasse ging, ahnte ich, dass ich diese an Majestätsbeleidigung grenzende Frage nicht hätte stellen dürfen. Langsam kann der Professor auf mich zu, bäumte sich von mir auf und startete seine Tirade: "mon cher étudiant, jetzt werde ich Ihnen mal etwas über das französische Notensystem erzählen. Eine 17 ist das Maximum, was für jemanden wie sie drin ist. Eine 18 steht nur jemandem wie Amelie zu (die Streberin unseres Kurses). Eine 19 wäre angemessen für mich und eine 20, c'est pour dieux! Haben wir uns verstanden?" Oh ja, das haben wir!
Französischer Champagner und deutsche Autos
Viele Jahre nach meinem Studium, ich arbeitete inzwischen im Marketing bei dem französischen Konzern Air Liquide, wurde ich für drei Monate in die Firmenzentrale nach Paris für ein Projekt entsandt. Eines Tages wurde ich von einem der großen "Patrons" des Vorstands zum Mittagessen eingeladen. Interessiert fragte er mich, was mir an Besonderheiten hier im französischen Berufsalltag aufgefallen seien. Ich sagte spontan, dass die schönste Besonderheit die wäre, dass die französischen Kollegen, wenn sie einen Kunden zum Essen ausführen, keine Grenzen in ihrer Spesenrechnung hätten. Da wird Champagner bestellt, der beste Wein und üppige 5-Gänge-Menüs in den edelsten Restaurants - und die Firma zahlt alles. Wir in der Tochterniederlassung in Deutschland hingegen müssten stets aufpassen, unsere eng vorgegebenen Spesengrenzen nicht zu überschreiten.
"Und, ganz schön ungerecht, oder?", fragte er mich mit einem süffisanten Lächeln. Aber ob mir denn auch aufgefallen sei, mit was für Autos die französischen Kollegen zu ihren Kunden führen? Und ob die einfachen Renaults und Citroëns mit den teuren Dienstwagen der deutschen Kollegen vergleichbar wären? Was er mir dann erklärte, fand ich äußerst lehrreich und nachvollziehbar: in der Tat hätte man im ganzen Konzern das gleiche Spesenbudget pro Mitarbeiter, egal in welchem Land er arbeitet. Nur wird das Budget so an die jeweilige Landeskultur angepasst, dass die maximale Zufriedenheit der Mitarbeiter und Kunden gewährleistet sei. Und in Frankreich sei das wichtigste nun mal "la bouffe" (das Essen und in Deutschland "la bagnole" (das Auto)! :)
Italienreise als Initialzündung
Der Rest ist eigentlich schnell erzählt: Die Initialzündung war ironischerweise ein Urlaub in Italien. Dort erlebten wir genau das, was wir nie wollten – wir stolperten von einer Touristenfalle in die nächste und das echte „Bella Italia“ blieb uns verborgen. Zurück in Frankreich spürten wir den Unterschied sofort: Hier kannten wir die Menschen und deren Kultur, die kleinen Tipps und Schleichwege, die versteckten Dörfer und die Menschen hinter den touristischen Fassaden. Da kam uns der Gedanke: Sicherlich ergeht es vielen Individualreisenden in Frankreich genau wie uns in Italien.
Aus dieser „Spinnerei“ im Jahr 2003 wurde Realität – die ersten Reisepläne entstanden damals noch ganz bescheiden im Kinderzimmer meiner Tochter Lea. Dass daraus heute mein beruflicher Lebensmittelpunkt geworden ist, fühlt sich rückblickend wie eine wunderbare, glückliche Fügung an. Inmitten eines so tollen Teams und mit so sympathischen Gästen habe ich für mich schlichtweg den schönsten Beruf der Welt gefunden.
Wir sind so etwas wie Trüffelschweine für echte Geheimtipps. Verbringen jedes Jahr über 100 Tage vor Ort. Fragen alle Einheimische nach ihren Lieblingsplätzen. Testen unzählige Unterkünfte inkognito. Und begegnen Menschen, die noch nie ein Reiseführer erwähnt hat (wie unserem Weidenflechter Nicolas, auf dem Foto neben mir).
Und ja, manchmal stolpern wir auch mal in eine Touristenfalle oder essen mittelmäßige Crêpes – damit Sie es nicht müssen.
Sie merken schon, wir sind etwas verrückt - oder einfach nur hoffnungslos in dieses Land verliebt. Wir haben das, was Google oder ChatGPT nicht haben: ein Gespür für besondere Orte. Für echten französischen Charme. Für Menschen, die berühren ❤️
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